Beine // So war der Muddy Angel Run 2018

 Kennst du diese Bilder von sportlich aussehenden Menschen, die lachend irgendwo lang springen, kriechen oder sich episch ihre nassen Haare schütteln? Dann bist du höchstwahrscheinlich über Fotos eines Hindernislaufs gestolpert. Vor ein paar Monaten bin auch ich über Facebook auf ein Event aufmerksam geworden, das sofort meine Aufmerksamkeit bekam: Der Muddy Angel Run.


In mehreren deutschen Städten, und ich glaube sogar auch in ein paar weiteren Ländern, ist ein Mal jährlich ein großer 5 km Hindernislauf nur für Frauen. Zunächst dachte ich, dass ich dafür vielleicht zu unsportlich sein könnte und das ist sicherlich auch bei einigen Hindernisläufen der Fall, der Muddy Angel Run verfolgt allerdings ein anderes Konzept. 
Einer der Hauptaspekte dieses Events ist nämlich das Thema Brustkrebs. Häufig fühlen wir uns nicht davon angesprochen, denken dies sei nur unter bestimmten Voraussetzungen oder ab einem bestimmten Alter ein Thema und tabuisieren Gespräche diesbezüglich im Alltag. Es geht also nicht nur um Sport, sondern auch um Aufklärung, Team-Arbeit und die Challenge "Leben". 

Und das ist auch das tolle und besondere am Muddy Angel Run. Die Hindernisse sind so konzipiert, dass durchschnittlich trainierte Damen es schaffen können und auch die etwas unsportlicheren kommen durch, denn Teamwork ist das A und O der Veranstaltung. Das stetige Motto: "Keiner wird zurückgelassen" begegnet einem bei jedem Meter und jedem Hindernis. Ein Gefühl des Zusammenhalts, das sich durch den Tag zieht, wie ein pinker, nie den Geschmack verlierender Hubba Bubba Kaugummi. 

Die Motivation beginnt bereits beim Ankommen auf dem Laufgelände, in unserem Fall in Berlin Karlshorst. Da es über den Tag verteilt Startzeiten gibt, kann man bereits bei anderen Teilnehmern zuschauen und sich von dem Adrenalin anstecken lassen. Laute Musik und Anfeuerungen über die Lautsprecher umgeben einen. Besonders rührend sind die vielen Teams in ihren selbstgestalteten T-Shirts, einige davon bezogen auf Personen, die an Brustkrebs leiden/litten. "Team Schlammläufer für Steffi", könnte zum Beispiel so eine Shirtaufschrift heißen.

Der Check-in:
Beim Scheck in, etwa 90 Minuten vor dem Lauf, muss man noch einmal den Haftungsausschuss unterschreiben. Man erklärt sich also einverstanden selbstständig auf sein Hab und Gut zu achten und für eventuelle Verletzungen nicht den Veranstalter verantwortlich zu machen. Was ich davon halte, unterbreite ich dir am besten am Schluss des Beitrags.
Jeder bekommt ein Stirnband mit Startnummer, gibt seinen Rucksack in einem separaten Zelt ab und macht sich dann schon mal langsam auf dem Weg zu Warm-Up.

Warm-Up und Start:
Gute 15 Minuten vor deiner Startzeit, findest du dich in der Warm-up Area ein. Das ist quasi das Viereck vor dem Start-Tor. Dort wärmt man sich tanzend bei motivierender Musik auf, lernt seine Mitstreiter kennen und wird erstmal so richtig auf gehyped. Wenn alle schön wach gezappelt sind, geht es ein paar Meter weiter vor das Start-Tor, wo bereits jemand mit dramatischer Musik, einer Ansprache zur Sicherheit während des Laufs und ein paar Worten zum Thema "Tut etwas für euren Körper, gebt Brustkrebs keine Chance" auf dich wartet. Unter dampfendem Nebel und mit lautem Gebrüll geht es schließlich los auf die Strecke.

Die Laufstrecke: 
Die Laufstrecke ist, zumindest in Berlin, eine relativ ebene, sandähnliche Bahn gewesen. Hierzu muss gesagt werden, dass es sich bei unserer Location um eine Trabrennbahn handelte. Es ist also nicht nötig die weltbesten Laufschuhe zu besitzen. Laut GPS-Uhr sind wir eher 4,5 km, statt 5 km gelaufen, was daran liegt, dass man natürlich die Rundungen der Strecke voll auskosten kann oder man manchmal eben die Kurven etwas schärfer läuft. Wem 5 km also zu viel sind, der kann ein bisschen in den Kurven schummeln. Generell gibt es eigentlich keine Regelung wie du die Strecke absolvierst. Wir sind beispielsweise fast komplett in entspanntem Tempo durchgejoggt, andere sind allerdings den ganzen Weg gegangen oder geschlendert. Du siehst also, dass du auch ohne Joggingerfahrung und super Fitness zu den Hindernissen gelangen kannst. Eine offizielle Zeitmessung gibt es nicht und somit auch keine Platzierungen. Die Devise heißt: Durchziehen und Ankommen!

Die Hindernisse:
Meiner Meinung nach waren die Hindernisse recht einfach und auf jeden Fall super machbar. Wer sich aber wegen seiner Fitness sorgen macht an den Hindernissen für Staus verantwortlich gemacht zu werden, dem empfehle ich ein paar Armübungen in den Alltag zu integrieren. Über eine 120 cm hohe Mauer sollte man sich auf jeden Fall rüber hieven können. Obwohl einem, wie gesagt, immer andere Teilnehmer helfen können, indem sie beispielsweise eine Räuberleiter bilden oder dich von oben hochziehen. Ich wiederhole: Keiner wird zurückgelassen!
Zu den Hindernissen gehören beispielsweise die typischen Klettergerüste wie auf einem Kinderspielplatz, ein kleines Tauchbecken, ein Seifenbecken (ein Gefühl wie auf Wolken!), eine Bauchplatscherrutsche oder eine Wippe, auf der man lang balanzieren muss. Auch, wenn man sich vielleicht manchmal etwas überwinden muss, brauchst du dir keine Sorgen machen. Ein gutes Grundvertrauen in deine Mitmenschen wird dir sicher dabei helfen furchtlos an den Lauf ran zu gehen.

Ausrüstung:
Du fragst dich jetzt sicher: Was ziehe ich bloß an?
Ich verspreche dir, dass geht absolut jedem so! Meiner Erfahrung nach bist du mit ganz normalen Sportsachen wunderbar bedient. Wähle vielleicht nicht gerade deine Lieblingssachen, da eben doch mal etwas aufschuppern kann oder der Dreck danach nicht mehr perfekt raus gewaschen ist. Auch rate ich dir von zu kurzen Hosen ab. Manchmal muss du über den Boden krabbeln und das kann dann etwas unangenehm sein. Deine Sachen, und vor allem deine Schuhe, werden sich mit Wasser vollsaugen. Versuche also besonders leichte, schnell trocknende Kleidung zu wählen, mit der du dich wohl fühlst. Nimm dir auch auf jeden Fall ein komplettes Wechseloutfit (inklusive Schuhe!) und ein Handtuch mit. Du kannst nach dem Lauf mit kaltwasser duschen, aber erwarte keine Duschkabinen. Tatsächlich handelt es sich bei den Umkleiden nur um eine mit Aufstellwänden verhüllte Zone, in der Wasserschläuche sind und ein paar Bänke, um sich kurz zu setzen oder die Tasche abzulegen. Wenn dir das Nackt sein vor den anderen Teilnehmerinnen unangenehm ist, solltest du dir einen Bikini oder Ähnliches einpacken. Aber eigentlich verschwindet man derartig in der Masse duschender Damen, dass einem das nicht lange peinlich sein muss.

Vergessene/Verlorene Sachen: Thema Verschwendung!
Wie du sicher raus liest, bin ich von dem Muddy Angel Run wirklich begeistert. Ein Thema stößt mir und sicher auch vielen anderen sehr auf und ich hoffe, dass sich diesbezüglich noch einiges ändert in den nächsten Jahren. Wie bereits erwähnt, sollte man vielleicht Kleidung und Schuhe wählen, die einem nicht mehr ganz so wichtig sind. Einige tragen beispielsweise Schuhe, deren Zeit sich sowieso schon dem Ende neigt.
Als jemand, der beim Abbau geholfen hat, musste ich aber leider feststellen, dass nicht nur die kaputten Kleidungsstücke im Müll landeten, sondern auch massig hochwertige, teuere und in sehr gutem Zustand erhaltene Schuhe! Natürlich kann man den Veranstalter einerseits verstehen, denn es ist eine riesen Arbeit hunderte nasse, dreckige Schuhe zu verwahren. Besonders bei warmem Wetter würden die Kleidungsstücke schnell schimmeln.
Da das Event auch direkt nach dem Lauf abgebaut wird, gibt es auch keine Möglichkeit alle Gegenstände irgendwo zur Abholung bereit zu stellen. Aber ich sehe hier zum einen Teilnehmer, die diesbezüglich sehr verschwenderisch handeln. Bitte nehmt doch eure heilen Schuhe mit nach Hause und verschenkt sie wenigstens, wenn ihr sie nicht mehr wollt. Zum anderen könnten auch die Veranstalter Spendenunternehmen informieren, damit diese noch am Abend kommen und einige Schuhe abholen. Ich selbst habe einen Sack voll nasser Schuhe mitgenommen, sie zu Hause gewaschen und anschließend weiter verschenkt. 

Mein Top-Tipp für dich: Lass dich auf das Event ein, suche dir ein paar nette Damen, mit denen du das zusammen machen kannst (wenn keiner deiner Freundinnen will, schau mal in die Facebook-Gruppe!) und nimm dir vielleicht noch einen Groupie mit, der ein Auge auf deine Wertsachen hat und mit Proviant und Wechselkleidung bereit steht. Mal ganz davon abgesehen, dass es toll ist, wenn jemand einen anfeuert und im Ziel auf dich wartet!

Wäre der Muddy Angel Run etwas für dich? Oder warst du eventuell sogar schon dort?? 

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